Friday, December 9, 2016

2016.12.14

Timothy Howe (ed.), Traders in the Ancient Mediterranean. Publications of the Association of Ancient Historians 11. Chicago: Association of Ancient Historians, 2015. Pp. ix, 236. ISBN 9780890056285. $24.99. ISBN 9780578174884. (pb).

Reviewed by Rebecca Diana Klug, Georg-August-Universität Göttingen (rebecca-diana.klug@phil.uni-goettingen.de)

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[Authors and titles are listed below.]

Mit dem vorliegenden Band, Traders in the Ancient Mediterranean, versucht Timothy Howe den Blick auf die Protagonisten des Handels zu richten, also auf die Händler, die insgesamt eher schwer zu fassen sind. In fünf Beiträgen werden die schriftlichen und archäologischen Hinterlassenschaften untersucht, dabei reicht der zeitliche Horizont von der späten Bronzezeit bis in die römische Kaiserzeit.

In seiner Einleitung (1-6) formuliert Howe, dass mit einem Sammelband zu antiken Händlern eine bisherige Forschungslücke geschlossen werden soll. Es gibt bereits verschiedenste Publikation über den antiken Handel oder die antike Wirtschaft, nicht aber über die eigentlichen Protagonisten. Für den Mangel entsprechender, insbesondere entsprechender diachroner Untersuchungen macht er die geringe Materialbasis verantwortlich, was sich in den weiteren Beiträgen durchaus bestätigen wird. Howe geht es bei dieser Zusammenstellung nicht darum, die Fragen zu den antiken Händlern vollständig zu beantworten, sondern neue bzw. andere Fragen an das vorhandene Material zu stellen und die Händler etwas greifbarer zu machen. Dabei geht es ihm nicht um Personen, die auf lokaler Ebene Handel getrieben haben, z. B. den Bauern, der seine Erzeugnisse im nächsten Ort verkaufte, sondern um Personen, die vom Handel lebten.

Der erste Beitrag beschäftigt sich mit dem Handel bzw. Austausch in der späten Bronzezeit (7-46). Christopher M. Monroe beginnt zunächst mit der zeitlichen Einordnung. Er sieht die späte Bronzezeit nicht als Anfangspunkt der Entwicklung, sondern eher als einen Schlusspunkt (7), da die in dieser Periode genutzten Netzwerke bereits deutlich älter sind. Für seine Untersuchung beruft er sich sowohl auf archäologische als auch auf schriftliche Quellen, wobei die archäologischen Quellen seiner Ansicht nach mehr Informationen über die Produktion der Handelsgüter geben als über den Handel oder die Händler (8). Dem steht eine große Anzahl akkadischer, ugaritischer, mittelassyrischer, ägyptischer und Linear B Texte gegenüber, die zwar selten direkt die Händler betreffen, aus denen jedoch Informationen zum Handel und den Händlern gewonnen werden können (8-9). Monroe teilt die Quellen inhaltlich in sechs Gruppen auf, die er einzeln untersucht. Zunächst beschäftigt er sich mit den technologischen Aspekten (10-17). Hierzu zählen die Gewichtssysteme und Siegel, aber auch die Transportkosten und die Schiffe. Die verschiedenen Gewichte und Siegel sind auch archäologische gut fassbar (s.u. Tandy). Die zweite Textgruppe bezieht sich auf die Finanzierung der Handelsreisen (17-23). Darunter gibt es Texte, die zeigen, dass es zum Teil private Investoren gegeben hat, aber auch staatliche. Als Sicherheit kann die Familie des Händlers gedient haben. Die dritte Gruppe beinhaltet Texte, die sich mit den politischen Beziehungen beschäftigen (23-30). Diese Textgruppe liefert uns die direktesten Informationen zu den Händlern. Hinweise auf Familienbeziehungen und ethnische Zugehörigkeiten liefert die vierte Gruppe (23-36). Mit den sozioökonomischen Aspekten beschäftigt sich die fünfte Gruppe (36-42). Hier zeigt sich, dass reichere Händler durchaus die Möglichkeit haben, auch Landbesitz zu erwerben, zumindest in Assyrien und Ugarit. Händler gehören damit nicht zwangsläufig zur Unterschicht, wie von Max Weber vermutet, sondern es gibt eine Hierarchie innerhalb der Gruppe der Händler. Die letzte Textgruppe befasst sich mit immateriellen, besonders mit Schwellen übergreifenden oder kulturübergreifenden Aspekten, die nur schwer greifbar werden (42-45), sich aber in vergleichbaren Mythen in verschiedenen Kulturkreisen zeigen können (43). Zusammenfassend stellt Monroe fest, dass die Händler wichtiger waren, als die bisherige Forschung dies aufzuzeigen vermochte.

David W. Tandy beschäftigt sich im Anschluss mit den Händlern in der archaischen und klassischen griechischen Welt (47-72). Zunächst zählt er die wichtige Literatur zum antiken Handel auf, wobei er auf einen Wechsel in der Analyse und Interpretation nach Finleys Tod eingeht. Neue Fragen werden seitdem an das Material gestellt, die sich nicht nur mit dem Lebensunterhalt und dem Status beschäftigen, sondern auch die technischen Aspekte berücksichtigen (47). Tandy bearbeitet die archaische und klassische Zeit getrennt voneinander, da seine Ausgangsthese einen deutlichen Unterschied zwischen den Phasen sieht. Während in der Archaik der Handel durch die Elite geprägt gewesen sei, seien die Händler in Klassischer Zeit auf die Finanzierung durch reiche Investoren angewiesen gewesen. Die Elite selbst war damit nur noch indirekt am Handel beteiligt.

Für die Archaische Zeit zieht Tandy neben Homer und Hesiod insbesondere Gräber in Lefkandi heran. Das Grab 79, eine der reicheren Bestattungen, enthält u. a. verschiedene Gewichte, die drei verschiedenen Gewichtssystemen zugeordnet werden können (50-51). Der Bestattete wird somit als Händler angesprochen. Die beigegebenen Waffen widersprechen dieser Interpretation nicht. Ebenfalls in diese Zeit fallen die vielen apoikiai, die in Sizilien und Süditalien gegründet werden. Hier gibt es eine Fülle an archäologischen Befunden. Allerdings lassen die Befunde keine Rückschlüsse auf die Händler zu. Als weitere wichtige Quelle nennt Tandy Hesiod, der eine Reihe von Ratschlägen für den Handel, insbesondere für den Seehandel gibt. Daneben gibt es aber auch direkte Hinweise auf einzelne Händler. Herodot erwähnt einen Sostratus aus Ägina. Dieser ist durch einen Anker mit Inschrift in Gravisca und eine Reihe von beschrifteten Gefäßen auch archäologisch fassbar (60-61). Als Abschluss der Überlegungen zur Archaik zieht Tandy noch die SOS-Amphoren heran, die für einen institutionalisierten Handel sprechen (61).

Für die Klassische Zeit ist die Quellenlage insgesamt besser. Daraus wird aber auch erkennbar, dass der Handel ökonomisch betrachtet nur eine geringe Rolle spielte. Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf den Regelungen in Athen, besonders in Bezug auf den Getreideimport. Dies ist naheliegend, da wir dazu die meisten Informationen haben. Tandy stellt dazu bereits am Anfang des Abschnitts klar, dass der Getreideimport nicht nur für Athen wichtig war, sondern auch andere poleis auf den Import angewiesen waren.

Der dritte Beitrag beschäftigt sich mit Märkten und Handel in Mesopotamien (73-100). Michael Kozuh betrachtet Assyrien (77-86) und Babylonien (86-98) zunächst getrennt voneinander, jedoch mit dem Ziel, die Ergebnisse vergleichen zu können. Er begründet diese Trennung mit der unterschiedlichen Quellenlage, die keinen direkten Vergleich zulässt. Methodisch bedient er sich eines Models der New Institutional Economics (NIE), das den Vergleich ermöglichen soll. Auch in J. G. Mannings Beitrag, Hellenistic Traders, wird NIE noch eine Rolle spielen. Kozuhs Hauptquelle sind dabei die Arbeiten von P. F. Bang.

Er beginnt seine Analyse zunächst mit dem Neo-Assyrischen Reich. Es gibt eine Vielzahl von Quellen für diese Periode, der Großteil stammt aber vom assyrischen Hof. Für die zweite Hälfte dieser Periode gibt es auch andere Quellen, beispielsweise ägyptische und phönizische Texte. Der wachsende Einfluss auf den Handel wird auf die Kontrolle wichtiger Stützpunkte im Handelsnetzwerk zurückgeführt. Über die eigentlichen Händler ist wenig bekannt. Die vorhandenen Informationen deuten darauf hin, dass die Händler nicht unabhängig waren.

Die Quellen zu Babylonien stammen dagegen, zumindest bis zur Mitte des 1. Jt. v. Chr., nicht aus königlichen Archiven. Informationen zu den wirtschaftlichen Aktivitäten stammen aus den Tempelarchiven und aus privaten Quellen. Im Anschluss geht Kozuh näher auf die Archive ein. Der Großteil der Archive endet unter der Herrschaft des Xerxes.

Zusammenfassend stellt er fest, dass auch mit den Methoden von NIE ein Vergleich zwischen beiden Regionen nur schwer möglich ist. Über die Händler können insgesamt kaum Aussagen getroffen werden.

Manning beschäftigt sich im vierten Beitrag mit Hellenistic Trade(rs) (101-139). Zu Beginn versucht er zunächst den Begriff hellenistisch zu definieren und würde ihn gerne ausdehnen bzw. auf die Interaktion zwischen Griechen und nicht- Griechen beziehen (101-103). Er bleibt dann aber dabei, die Kernphase von 400 bis 200 v. Chr. zu sehen. Den Endpunkt bereits um 200 v. Chr. anzusetzen, ist zumindest diskussionswürdig. Nach Manning beginnen die für den Hellenismus charakteristischen Entwicklungen bereits deutlich früher. Auch ältere Netzwerke werden weiter genutzt (104-105). Als wichtigen Aspekt betrachtet er die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Staat und Handel. Genau hier sieht er den Unterschied zur römischen Kaiserzeit. Er formuliert eine Reihe von Fragen für die Analyse, die nicht unbedingt neu, aber noch zu beantworten sind. Aufgrund der Quellenlage können diese Fragen aber nur teilweise beantwortet werden.

Manning versucht daher zunächst, den Begriff trade zu definieren. Er betrachtet Handel als „exchange of goods in which a desire for profit is the motive of one party or both" (110). Er unterscheidet damit klar Handel von Geschenkeaustausch. Relativ gut dokumentiert ist der Handel in/mit Ägypten. Die ptolemäischen Herrscher haben diesen stark kontrolliert. Ein wichtiger Partner für Ägypten war die Insel Rhodos, die als politisch neutral galt. Rhodos wird später durch Delos abgelöst.

Die Quellen geben kaum Aufschluss über die Händler. Die literarischen Texte lassen die Händler in einem negativen Licht erscheinen. Die Trennung zwischen Händler und Pirat ist durchlässig (124). Manning geht anhand der wenigen Hinweise davon aus, dass es sich eher um kleinere Händler gehandelt hat, abgesehen von den Königen.

Den Abschluss des vorliegenden Bandes bildet der Beitrag von David Hollander zu den Händlern in der römischen Welt (141-172). Auch im Bereich der römischen Wirtschaftsgeschichte ist bisher kaum etwas über die Händler geschrieben worden. Hollander will diese in den Mittelpunkt seiner Untersuchung stellen. Im Fokus stehen dabei die späte Republik und die frühe Kaiserzeit. Für diese Zeit gibt es direkte Quellen von Händlern und über Händler. Die Quellenlage ist damit deutlich besser als jene zu den hellenistischen Händlern. Wichtige Quellen sind überdies Plinius, Cato und Cicero. Daneben gibt es eine Vielzahl archäologischer Quellen, Schiffswracks, Häfen und Lagerhäuser sowie viele bildliche Darstellungen, insbesondere die Mosaiken in Ostia. Hollander unterscheidet zwischen professionellen Händlern – diese werden hier untersucht – und Personen, die Handel treiben, z. B. dem Bauern, der sein Gemüse verkauft.

Aus den schriftlichen Quellen geht hervor, dass es spezialisierte Händler gegeben hat (144), allerdings konnten sich die Spezialisierungen wohl nach Bedarf auch ändern. Auch über den sozialen Status der Händler gibt es gute Informationen. Mit der Lex Claudia wurde 218 v. Chr. die Beteiligung der Senatoren am Handel eingeschränkt. Dies schließt eine finanzielle Beteiligung allerdings nicht aus. Als wichtiges und hilfreiches Konzept für die Händler betrachtet David Hollander die collegia, die familia und die amici. Insgesamt beschäftigt er sich jedoch stärker mit den verschiedenen Handelsgütern (152-158) und möglichem Wettbewerb (158-166) als mit den Händlern selbst.

Zusammenfassend bietet der Band einen guten Überblick über die aktuellen Forschungsansätze und Diskussionen zum antiken Handel und enthält Verweise auf die wichtigsten entsprechenden Publikationen. Es wird versucht, ein sehr komplexes Thema auf einen Aspekt des Handels, die Händler, zu fokussieren. Wie aber von den Autoren selbst festgestellt wird, geben die vorhandenen Quellen in den wenigsten Fällen direkte Hinweise auf die Händler. Am besten gelingt die Fokussierung noch in dem Beitrag von Monroe.

Wenn auch die Händler nicht wirklich greifbar werden, so bietet der Band doch eine Menge an Informationen und Fragen, die für die Forschungen zum antiken Handel unbedingt notwendig sind. Es zeigt sich, dass es lohnend ist, stetig neue Fragen an das vorhandene Material zu stellen.

Authors and Titles

Introduction, Timothy Howe 1
1. Tangled Up in Blue: Material and Other Relations of Exchange in the Late Bronze Age World, Christopher Monroe 7
2. Traders in the Archaic and Classical Greek Koine, David W. Tandy 47
3. A Hand Anything but Hidden: Institutions and Markets in First Millenium BCE Mesopotamia, Michael Kozuh 73
4. Hellenistic Traders, J.G. Manning 101
5. Risky Business: Traders in the Roman World, David Hollander 141

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